Olaf Stamsen, DEHOGA-Vorsitzender: „Für den Tourismus Geld in die Hand nehmen“

Auf einer gut besuchten Mitgliederversammlung des SPD – Ortsvereins Wilhelmshaven West begrüßte der Vorsitzende Karlheinz Föhlinger den 1. Vorsitzenden des DEHOGA-Stadtverbandes Wilhelmshaven, Olaf Stamsen. Herr Stamsen sprach zu dem Thema „Tourismus und Entwicklung der Hotellandschaft“. Als Gast begrüßte der Ortsverein zudem Michael Diers, Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH (WTF).

Olaf Stamsen, 1. Vorsitzender DEHOGA-Stadtverband Wilhelmshaven

Die meisten Bundesbürger, so Referent Stamsen, machten erfreulicherweise ihren Urlaub in Deutschland. Und hier sei Mecklenburg-Vorpommern das am beliebtesten Reiseziel, weit vor Niedersachsen: nur 12,3 Prozent der Urlauber wählten Niedersachsen als Urlaubsland. Als touristische Destination müsse sich Niedersachsen noch weiter entwickeln. Das gelte aber insbesondere auch für Wilhelmshaven. Die bevorzugte Unterbringungsart in Wilhelmshaven seien mit 51,9 Prozent zwar die Hotels, aber nur 32 Prozent der Gäste seien Ferienkunden. Viele Feriengäste bewerteten die Hotels in Wilhelmshaven zwar gut, bemängelten aber, dass für die Touristen in Wilhelmshaven zu wenig geboten werde. Die meisten Touristen hätten nach drei Tagen das touristische Angebot abgearbeitet, am vierten Tag käme Langeweile auf. Im Urlaub wünsche sich der Gast zu 100 Prozent Urlaub, und das jeden Tag. Dabei könne man schon mit geringem Aufwand viel erreichen: etwa indem ein attraktiv gestalteter Bus zu bedarfsgerechten Zeiten den Südstrand mit der Wilhelmshavener City verbinde. Ohne eine deutliche Attraktivitätssteigerung im touristischen Bereich mache eine weitere Erhöhung der Bettenzahl in Wilhelmshaven wenig Sinn, so Stamsen.

Generell hätten Hoteliers – und das nicht nur in Wilhelmshaven – als Teilakteure der Tourismuswirtschaft mit diversen Problemen am Markt zu kämpfen. Das Hauptproblem sei der Fachkräftemangel. Immer weniger Personen seien, trotz guter tariflicher Bezahlung, bereit, aufgrund der unattraktiven Arbeitszeiten in der Hotellerie und Gastronomie zu arbeiten. Es fehle insbesondere an Köchen und motivierten Servicekräften. Allein in Wilhelmshaven seien 13,9 Prozent der Ausbildungsstellen unbesetzt. Ein weiteres Problem sei neben den steigenden Betriebskosten der hohe bürokratische Aufwand aufgrund gesetzlicher, zum Teil nicht nachvollziehbarer, Vorgaben. Hier seien, so der Referent, insbesondere die hohen Dokumentationsverpflichtungen zu nennen. Diese Zeit gehe als Servicezeit für den Gast verloren. Zu schaffen mache den Hoteliers auch der hohe Wettbewerbsdruck im Onlinevertrieb. Mehr als die Hälfte aller Hotelbuchungen erfolge mittlerweile über digitale Kanäle mit der Folge, dass die großen Player am Markt, wie etwa Booking.com, einen Großteil der Erlöse (rund 16 Prozent) für sich vereinnahmten. Aber auch die vielen, nicht steuer- und abgabenpflichtigen Privatvermieter erschwerten den gewerblichen Anbietern das Geschäft. Insbesondere die Tätigkeit vom Airbnb, einem großen Onlinevermittler von Privatunterkünften, führe zu einem unfairen Wettbewerb, Strukturveränderungen, Belastung von Wohnquartieren und Verwerfungen bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.

Diesen Problemen könne man nur begegnen, wenn man für den Tourismus Geld in die Hand nehme und in den Tourismus investiere. Sinnvoll wäre es auch, gemeinsam mit der WTF für die Hotellerie und Gastronomie Wilhelmshavens ein Bewertungstool für die Gäste zu entwickeln. Aus dieser digitalen Marktforschung könnten die Hoteliers und Gastronomen viele wichtige Informationen zur Verbesserung ihrer Arbeit gewinnen. Insgesamt müsse man sich multimedial präsentieren und Wilhelmshaven als Marke etablieren. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, reichten klassische Instrumentarien nicht mehr aus: man brauche, so Stamsen, neue Ideen und müsse mutig – in Kooperation mit Dritten – neue Wege gehen, zum Beispiel, um neue Zielgruppen und Marktnischen für den Wilhelmshavener Tourismus und damit auch für die Wilhelmshavener Hotellandschaft zu erschließen.

In einer anschließenden, sehr engagierten, Diskussion machten die Mitglieder des SPD – Ortsvereines Wilhelmshaven West deutlich, dass der Tourismus nur ganzheitlich mit allen auf den Tourismus einwirkenden Teilbereichen beurteilt werden könne. Insbesondere die Kultur sei ein wichtiger Teilbereich. Die Mitglieder sprachen sich deshalb einmütig dafür aus, zu prüfen, ob es nicht sinnvoll sei, den jetzigen Geschäftsführer der WTF, Michael Diers, zusätzlich als ‚Referatsleiter Kultur‘ der Stadt Wilhelmshaven zu bestellen. Der SPD – Ortsverein Wilhelmshaven West fordert zudem zeitnah das vom Rat der Stadt Wilhelmshaven beschlossene Tourismuskonzept, das Hotelkonzept und das Verkehrskonzept für den Südstrandbereich ein, um diese drei Gutachten gebündelt betrachten zu können. Diese Gutachten sollten in Bürgergesprächen diskutiert und beraten werden. Erst danach könne man Entscheidungen treffen. SPD-Ratsmitglied Detlef Schön: „Vorher sind Einzelentscheidungen, etwa über einen separaten Vorhaben und Erschließungsplan am Südstrand für den möglichen Bau eines weiteren Hotels, unsinnig“. Zur Attraktivitätssteigerung des Südstrandes gehöre auch eine vernünftige Busanbindung zu vernünftigen Tageszeiten mit einer touristenfreundlichen Taktung, so die Mitglieder. Alt – SPD-Fraktionsvorsitzender Karlheinz Föhlinger: „Hier kann überlegt werden, ob die entstehenden Kosten nicht über Parkgebühren finanziert werden“.

 

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