Schweren Herzens: Freibad Nord nicht zu halten

Hier die Originalpressemitteilung des SPD – Ortsvereines Wilhelmshaven West:

Auf einer gut besuchten Mitgliederversammlung des SPD – Ortsvereins Wilhelmshaven West begrüßte der Vorsitzende Karlheinz Föhlinger den Geschäftsführer der Stadtwerke Wilhelmshaven GmbH, Volker Lotsch. Herr Lotsch sprach zu dem Thema „Wilhelmshavener Bäderlandschaft und gasbetriebene städtische Busse“.

Geschäftsführer der Stadtwerke Wilhelmshaven Volker Lotsch

Die zu den Stadtwerken gehörenden Bäder Nautimo und Freibad Nord seien höchst unterschiedlich zu betrachten. So sei das Freibad Nord mittlerweile 42 Jahre alt, energetisch veraltet und habe, trotz regelmäßiger Instandhaltungen einen nicht unerheblichen Sanierungsbedarf von mindestens 1 Million Euro aufgrund der für Freibäder typischen Alterungsprozesse. Stetig seien in den letzten fünf Jahren die Besucherzahlen zurückgegangen: nur noch durchschnittlich rund 34.000 Wilhelmshavener hätten in den letzten fünf Jahren das Freibad Nord besucht. Davon seien etwa ein Drittel Frühschwimmer. Auch die Frequentierung des Bades durch Schulen und Vereine außerhalb der Ferien sei niedrig, Jugendliche Gäste hielten das Bad für unattraktiv. Auch werde es, so Herr Lotsch, für den derzeitigen Betreiber des Freibades Nord aufgrund eines drohenden Fachkräftemangels immer schwieriger, geeignetes Personal zur Aufrechterhaltung des Bäderbetriebes zu finden. Das Gesamtangebot des Freibades Nord sei mit den acht 50m – Bahnen für die Größe Wilhelmshavens überdimensioniert und aufgrund mangelnder Attraktivität nicht wettbewerbsfähig im Vergleich zu den Freibädern des Umlandes. Die Wetterabhängigkeit mache es zudem schwer, Betreiber für den Kiosk zu finden. Mit den Eintrittspreisen könne man die steigenden Verluste aufgrund der Gesamtsituation des Bades nicht mehr kompensieren.

Im Erlebnis- und Sportbad nautimo hingegen haben sich die Besucherzahlen im Laufe der letzten 10 Jahre sehr zufriedenstellend entwickelt. Mit einem Deckungsbeitrag von über 70 Prozent in 2017 läge man in einem bundesweiten Vergleich unter 40 Freizeitbädern auf dem 13. Platz! Das liege zum einen daran, dass viele auswärtige Besucher und Touristen das nautimo besuchen und zum anderen auch das Angebot, seine Lage im geografischen Mittelpunkt des Stadtgebietes sowie die optimale Busanbindung von den Wilhelmshavenern in anerkannt wird. Ein umfangreiches Gesamtangebot sorge für eine hohe Attraktivität: dazu gehörten 7 Becken mit rund 1.000 m² Wasserfläche, ein Sportbecken, 2 Riesenrutschen und eine Kletterwand, ein Textil-Dampfbad, eine Saunalandschaft mit 7 Saunen, ein Spa-Bereich sowie eine gehobene Gastronomie. Im Außenbereich gebe es genügend Freiflächen für eine Freibadkomponente, einem Beachball-Platz und einem Spielbereich für Kleinkinder. Ein großzügig angelegter Terrassenbereich am bereits vorhandenen Außen-Wellness-Becken existiert bereits.

Der Geschäftsführer der Wilhelmshavener Stadtwerke machte deutlich, dass ein gleichzeitiges Fortbestehen sowohl des Freibades Nord als auch des nautimo ein großes Risiko in sich birgt. Man stünde jetzt vor der Alternative: das Freibad Nord komplett zu modernisieren oder aber das nautimo zu erweitern. Nach einer möglichen Modernisierung des Freibades Nord besteht die Gefahr, dass nach dem Rückzug der Freibad Nord GmbH ab 2021 Fachkräfte und Saison-Service-Kräfte fehlen, welche zwingend für den Badebetrieb und für die Sicherheit des Bades notwendig seien. Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile sei man seitens der Stadtwerke schweren Herzens zu dem Ergebnis gekommen, das nautimo um eine Freibad-Komponente mit einer Kombination von 50m- und 25m– Bahnen und einer zusätzlichen Wasserrutsche zu erweitern und das Freibad Nord nicht zu erhalten. So erhalte man ein attraktives „Allround“ – Schwimmbad mit einem hohen Freizeitwert für alle Bürger. Innerhalb der Region nähme das nautimo dann in der Bäderlandschaft eine Spitzenposition ein und würde seine Attraktivität für die Bürger Wilhelmshavens und für die Touristen weiter steigern. Zudem würden Synergien, etwa im Bereich Aufsichtspersonal, Gastronomieangebot, Reinigung, Technik oder Heizkosten, freigesetzt.

Abschließend ging Herr Lotsch noch auf die Frage ein, ob es Sinn mache, gasbetriebene städtische Busse im öffentlichen Nahverkehr einzusetzen. Deutschlandweit gebe es nur wenige Kommunen, die gasbetriebene Busse einsetzen. Es sei wirtschaftlich und ökologisch sinnvoller, Busse mit einem Diesel-Hybrid-Antrieb einzusetzen. Die Emissionen seien hier nahezu auf Gas-Niveau oder besser. Außerdem habe man erheblich niedrigere Anschaffungs- und Wartungskosten. Zudem seien die Investitionskosten mit rund 1,5 Mio. Euro für eine Gastankstelle sehr hoch. Deshalb wird die Verkehrsgesellschaft unter der Geschäftsführung des Herrn Rademacher die Bus – Flotte der Stadt Wilhelmshaven nach und nach auf Diesel-Hybrid-Fahrzeuge umstellen. Im Jahr 2020 sei man dann mit 28 städtischen Bussen auf dem neuesten Stand. Die ferne Zukunft, so Herr Lotsch, liege im Wasserstoff mit Brennzellenantrieb.

In einer anschließenden, sehr engagierten, Diskussion machten die Mitglieder des SPD – Ortsvereines Wilhelmshaven West deutlich, dass sie hinter dem Konzept der Stadtwerke – Geschäftsführung stehen. Es mache keinen Sinn, das veraltete und unwirtschaftliche Freibad Nord entgegen aller Fakten und Notwendigkeiten zu erhalten. Ein erweitertes nautimo hingegen sei ein Zugewinn für die gesamte Wilhelmshavener Bevölkerung. Alt – SPD-Fraktionsvorsitzender Karlheinz Föhlinger: „Zusätzlich werde dafür gesorgt, dass alle Beschäftigten nach Tarif bezahlt werden“. SPD-Ratsmitglied Detlef Schön, der sich dieser Argumentation anschloss, erklärte, dass die neuen Schwimmbahnen im Außenbereich mit Wasserrutsche die Attraktivität Wilhelmshavens auch für die Touristen erhöhen würden und viele Tagesgäste in die Stadt holten. So könnten etwa die außenliegenden Schwimmbahnen gegebenenfalls auch ganzjährig aufgrund einer geplanten modernen Solarthermie betrieben werden.

 

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